Macht.Gemein.Sinn.

Kulturlandsgemeinde 2019, Teufen

Ge­mein­sam sind wir stark!

Wie viel Ei­gen­sinn liegt drin? Ge­mein­wohl – ein My­thos? Ge­mein­nüt­zig­keit – ein Aus­lauf­mo­dell? Und wie tönt Ge­mein­sinn? Was ma­chen Sie am liebs­ten ge­mein­sam? Was ist Ihnen das Ge­mein­wohl wert? In wel­chen Mo­men­ten kommt Ihnen der Sinn für das Ge­mein­sa­me ab­han­den?

Seit rund 200 Jah­ren gibt es in der Schweiz Ge­mein­nüt­zi­ge Ge­sell­schaf­ten. Bis heute ver­fol­gen sie den Zweck, das Ge­mein­wohl zu stär­ken. Im und rund ums Zeug­haus Teu­fen, einem Ort des ge­mein­sa­men Ent­wi­ckelns und Ex­pe­ri­men­tie­rens, er­grün­de­te die Kul­tur­lands­ge­mein­de 2019, wo Ge­mein­sinn ge­gen­wär­tig ge­lebt wird. Sie frag­te, wie viele zu­sam­men mäch­ti­ger sind, mehr wis­sen oder alles in Be­we­gung brin­gen kön­nen. Sie wagte den Ba­lan­ce­akt zwi­schen Ge­mein­sinn und Ei­gen­sinn, zwi­schen Uto­pie, Nost­al­gie und Dys­to­pie, zwi­schen Off­line- und On­line-Wel­ten.

«Viele Leute würden gerne Gegenstände, die sie besitzen mit anderen teilen und sie herborgen, nicht jede:r braucht einen eigenen Rasenmäher, eigene Schneeschuhe oder eine eigene Nähmaschine.»

Fotos: Hannes Thalmann

«Ein verdichtetes Ereignis, an einem speziellen Ort.»

Mitwirkende

aid hoc
Nils Alt­haus
Sonia Bi­schoff
Eli­a­ne Ninfa Blu­mer
Anna Diet­sche
Alea Duden
Erich Fe­der­li
Matt­hi­as Flü­cki­ger
Jo­han­nes Gees
Anna Gra­ber
Flo­ri­an Graf
Ste­phan Graf
Uğur Gül­te­kin
Diego Hät­ten­schwi­ler
Har­mo­nie­mu­sik Teu­fen
Ema­nu­el Hör­ler
Sonja Hu­gen­to­b­ler
Mu­sik­ge­sell­schaft Flüh­li
Fa­ti­ma Mou­mou­ni
Pas­ca­le Os­ter­wal­der
Re­bec­ca Pa­ni­an
Hans-Diet­rich Reck­haus
Mar­tin Schläp­fer
Nadja Schnetz­ler
Mu­ri­el Staub
Tho­mas Stri­cker
Do­mi­nic To­b­ler
Marco Weber
Niki Wiese & Fam.
Ve­dra­na Žalac

Konzeptgruppe

Hans-Ruedi Beck
Mar­grit Bürer
Erich Fe­der­li
Rahel In­au­en
The­res In­au­en
Sa­bi­na Ruff
Petra Schmidt
Han­spe­ter Spör­ri
Ueli Vogt

Die Kul­tur­lands­ge­mein­de be­gann be­reits am Frei­tag­abend mit der jähr­li­chen Ge­nos­sen­schafts­ver­samm­lung und dem Be­richt des Künst­lers Tho­mas Stri­cker zur Ent­wick­lung der so­zi­a­len Skulp­tur «hand­che­rom / on the other hand», die er an der Kul­tur­lands­ge­mein­de 2017 zwi­schen He­ris­au und Kalk­feld in Na­mi­bia in­iti­iert hatte.

Am Sams­tag wid­me­ten sich drei Platt­form-Ge­sprä­che den Span­nungs­fel­dern rund um den Ge­mein­sinn in einer in­di­vi­du­a­li­sier­ten, di­gi­ta­li­sier­ten und zu­kunfts­ge­rich­te­ten Ge­sell­schaft. Je­weils zum Auf­takt lo­te­te der Ka­ba­ret­tist, Mu­si­ker und Schau­spie­ler Nils Alt­haus die Gren­zen al­tru­is­ti­schen Han­delns aus. Wäh­rend des gan­zen Tages konn­te das Pu­bli­kum in Werk­stät­ten un­ter­schied­lichs­te Fa­cet­ten von Ge­mein­sinn er­le­ben: An der Mess­sta­ti­on für un­ei­gen­nüt­zi­ges Han­deln mit dem Schau­spie­ler Matt­hi­as Flü­cki­ger, beim Ein­blick in die Ar­beit der Or­ga­ni­sa­ti­on aid Hoc in der hu­ma­ni­tä­ren Di­rekt­hil­fe, beim Un­Flu­encing mit der Schrift­stel­le­r­in Niki Wiese, beim Wi­ki­pe­dia-Work­shop mit den Wi­ki­pe­dians Diego Hät­ten­schwi­ler und Mu­ri­el Staub, beim Bau eines Wild­bie­nen-Ho­tels für den ei­ge­nen Gar­ten unter An­lei­tung vom Bio­lo­gen Ema­nu­el Hör­ler, im Café des Vi­si­ons der Künst­le­rin Anna Gra­ber, auf der Holz­klötz­li-Bau­stel­le mit Anna Diet­sche und Alea Duden, am Sha­ring Kiosk der Il­lus­tra­to­rin Pas­ca­le Os­ter­wal­der, im Blä­ser­klas­sen-Cr­sah­kurs vom Blas­in­stru­men­te-Fach­mann Marco Weber und beim Crowd­sour­cing zu Aus­serr­ho­der Fo­to­samm­lun­gen mit der In­for­ma­ti­onss­pe­zi­a­lis­tin Eli­a­ne Ninfa Blu­mer und dem His­to­ri­ker Ste­phan Graf. Am Sams­tag­abend er­fand die INES Late Night Show, mo­de­riert vom Jour­na­lis­ten Uğur Gül­te­kin und der Spo­ken Word Po­e­tin Fa­ti­ma Mou­mou­ni sowie mu­si­ka­lisch be­glei­tet von der Har­mo­nie­mu­sik Teu­fen, eine neue Öf­fent­lich­keit mit Mi­gra­ti­ons­vor­der­grund.

Am Sonn­tag­mor­gen fand die Ver­nis­sa­ge des wäh­rend zwei Mo­na­ten im of­fe­nen Ate­li­er ent­stan­de­nen Werks «Le déjeu­ner» der Künst­le­rin Sonja Hu­gen­to­b­ler statt, es wurde die Send­schrift ver­le­sen und Mar­grit Bürer führ­te ein Sonn­tags­ge­spräch mit dem Cho­reo­gra­fen und Tän­zer Mar­tin Schläp­fer. Die Har­mo­nie­mu­sik Teu­fen und die Mu­sik­ge­sell­schaft Flüh­li spiel­ten wäh­rend des gan­zen Fes­ti­vals da und dort in wech­seln­den For­ma­ti­o­nen auf.

Erinnerungen

Mai 2019. Vor 5 Jahren. Bin dabei, die Fotos dieser drei Tage zu sichten. Muss schmunzeln. Die Erinnerungen sind unvergesslich. Und schön. Ja, gemeinsam macht Sinn. Zwei Blasmusikvereine, ein Grossanlass. Proben, Auftritte, Turmbläser. Ein verschneites Dorf am Sonntagmorgen. Voll besetzter Bläserklassen-Workshop, ein Schlagzeuger am Bass. Genial. Ein aussergewöhnlicher Auftritt und ein bleibendes Interview an der INES Late Night Show. Hip-Hop mit Blasmusikinstrumenten. Wie cool ist das denn?! Ein gemeinsames Konzert im Zeughaus. 50 Musikantinnen und Musikanten. Das grosse Publikum? Ratlos. Blasmusik – echt jetzt? Zig Fans gewonnen. Ich schmunzle noch immer. Dankbar. Für das Gemeinsame.

Mirjam Staub, Musikantin aus Leidenschaft und damalige Präsidentin der Harmoniemusik Teufen

Ein intensives und warmes Erlebnis war diese Kulturlandsgemeinde 2019, trotz der dicken Schneedecke, mit der das Wetter uns überraschte. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, aus Wien dafür anzureisen. Es war spannend, andere Kulturschaffende kennenzulernen und sich auszutauschen beim gemeinsamen Essen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Gemeinsinn, meinem Projekt «Sharing Kiosk» und den Besucher:innen war inspirierend: Viele Leute würden gerne Gegenstände, die sie besitzen mit anderen teilen und sie herborgen, nicht jede:r braucht einen eigenen Rasenmäher, eigene Schneeschuhe oder eine eigene Nähmaschine. Gesucht wurde auch einiges: Vom neuen Job bis zum «Pöschelibock». Und mit Hilfe der gezeichneten Buttons gab es auch ein paar Matchs.

Pascale Osterwalder, Illustratorin

Erinnerungen: Für die Chance, einmal ein ganz grosses Bild zu realisieren für die Kulturlandsgemeinde, bin ich heute noch dankbar. Mir wurde ein weitgefasster Rahmen zur Verfügung gestellt an Raum und Zeit im Zeughaus Teufen sowie grosszügige, finanzielle Mittel für dieses Projekt. Toll und aussergewöhnlich. Schade, dass das Werk seither in meinem Lager als Erinnerung altert… Vielleicht, wie ein guter Wein? Schön, dass das Bild als Auftritt im darauffolgenden Obacht Kultur eine weitere Verbreitung fand. Dadurch wurde ein Kunstsammler aus Bern auf mich aufmerksam, besuchte mich im Atelier und hat bis heute zwei grössere und mehrere kleinere Werke von mir gekauft. Das war für mich überraschend erfreulich und als mögliche Folge von Kulturförderung in diesem Rahmen ein schönes Beispiel, das ich gerne erzähle.

Perspektive: Trotz dieser positiven Erfahrung als teilnehmende Kunstschaffende frage ich mich jedes Jahr, ob die Form der Workshops noch zeitgemäss ist. Der Aufwand für die verschiedenen Angebote und Auftritte innerhalb von zwei Tagen dünkt mich gross. Diese Vielfalt zu konsumieren ist mir persönlich meistens zu viel. In Erinnerung geblieben sind mir immer Referate über ein aktuelles Thema von sehr speziellen Gästen, bekannten Fachpersonen und Persönlichkeiten. Eine Austauschplattform, um sich mit anderen Kulturschaffenden auszutauschen, bei Speis und Trank, schätze ich. Die Konzentration auf diese zwei Angebote an einem Tag würde mir persönlich genügen, vielleicht mit einem künstlerischen Beitrag aus einer Sparte als Auftakt und Ausklang. Ein verdichtetes Ereignis, an einem speziellen Ort. Die Kulturlandsgemeinde an und für sich ist in meinen Augen ein erhaltenswerter, kostbarer Anlass. Dass sie immer zur gleichen Zeit im Jahr stattfindet, finde ich sehr gut.

Sonja Hugentobler, Bildende Künstlerin
Bienenstock
Vogelnest
Tandem
Sprechblasen
Wegen Wind und Wetter

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