Wegen Wind und Wetter

Kulturlandsgemeinde 2018, Schwägalp und Säntis

Mit Rü­cken­wind, im Schnee­ge­stö­ber und über dem Ne­bel­meer

Trübe Aus­sich­ten, stür­mi­sche Zei­ten, auf der Son­nen­sei­te. Wan­der­wet­ter, Film­wet­ter, Un­wet­ter. Sind Sie wet­ter­füh­lig? Wol­len Sie über den Wol­ken schwe­ben? Sor­gen Sie sich um den Glet­scher­schwund oder träu­men Sie von Tro­pen­näch­ten?

Die Kul­tur­lands­ge­mein­de 2018 be­fass­te sich mit dem Wet­ter – das uns alle tag­täg­lich be­wegt, är­gert oder auf­mun­tert, das Ge­sprächss­toff lie­fert, für das wir uns wapp­nen, das wir be­ob­ach­ten, vor­her­sa­gen und be­sin­gen, dem wir nach­rei­chen und dem wir ent­flie­hen. Am Fusse und auf dem Gip­fel des Sän­tis, auf dem seit 1882 eine Wet­t­er­sta­ti­on steht, ver­han­del­te die Kul­tur­lands­ge­mein­de wäh­rend zwei Tagen Gross­wet­ter­la­gen, lud zu Aus­flü­gen ins Li­te­ra­tur­wet­ter ein, lausch­te dem Wind und liess Dra­chen stei­gen.

«Ich bin mir unglaublich klein vorgekommen, mit einem kleinen Projekt, in räumlichen und zeitlichen Verhältnissen zur uralten Landschaft absolut unbedeutend.»

Fotos: Hannes Thalmann

Mitwirkende

Gust Bro­ger
Isa­bel­le Chap­puis
Flo­ri­an Dom­bois
Gre­gor Diet­ze
Bet­ti­na Dyt­trich
Ma­ri­a­n­ne Eg­gen­ber­ger
Ari­a­ne Ehrat
Do­mi­nik Ernst
An­net­te Gigon
Re­bec­ca Gu­ger­li
Eva Helg
Tho­mas Hor­vath
Ka­trin Kel­ler
Kas­par König
Till Lin­der
Lük Popp
To­bi­as Prei­sig
An­dre­as Schraft
Peter Stof­fel
Peter Suter
Her­wig Ursin
San­dra Ut­zin­ger
Ga­bri­el Vet­ter
Matt­hi­as von Gun­ten
An­dre­as Wal­ker
Peter Weber

Konzeptgruppe

Ba­r­ba­ra Auer
Mar­grit Bürer
Gisa Frank
Fa­bi­an Harb
Rahel In­au­en
The­res In­au­en
Gal­lus Knecht­le
Petra Schmidt
Han­spe­ter Spör­ri
Esther Wid­mer

Drei Platt­form-Ge­sprä­che wid­me­ten sich am Sams­tag un­ter­schied­li­chen Fa­cet­ten im Um­gang mit Wind und Wet­ter: aus tou­ris­ti­scher, ver­si­che­rungs­tech­ni­scher, me­te­o­ro­lo­gi­scher, schrei­ben­der, me­di­zi­ni­scher, fil­me­ri­scher oder jour­na­lis­ti­scher Per­spek­ti­ve. Der Wis­sen­schafts­jour­na­list An­dre­as Wal­ker führ­te je­weils zum Auf­takt der Dis­kus­si­o­nen in ein be­son­de­res Wet­ter­phä­no­men ein. Gleich­zei­tig schu­fen ver­schie­de­ne Ex­kur­si­o­nen und Werk­stät­ten Raum für Ex­pe­ri­men­te, Er­fah­run­gen und Aus­tausch: Der Wet­ter­schmö­cker Peter Suter lud zu einer Wan­de­rung auf der Schwä­galp, die Künst­ler Flo­ri­an Dom­bois und Kas­par König ex­pe­ri­men­tier­ten mit einem skulp­tu­ra­len Wind­ka­nal, der In­dus­tri­al De­si­g­ner Tho­mas Hor­vath lei­te­te den Bau eines Null­wind-Dra­chens an und die Schau­spie­le­rin:innen Her­wig Ursin und San­dra Ut­zin­ger führ­ten auf einem li­te­ra­ri­schen Spa­zier­gang durch ver­schie­de­ne Wet­ter- und Ge­fühl­sla­gen. In der Wet­ter­loun­ge prä­sen­tier­te die Film­schaf­fen­de Ma­ri­a­n­ne Eg­gen­ber­ger Film­s­ze­nen, in denen das Wet­ter im Zen­trum steht, die Kunst­schaf­fen­de Ka­trin Kel­ler sin­nier­te mit dem Pu­bli­kum über das op­ti­ma­le Lands­ge­mein­de­wet­ter und der Ge­stal­ter Lük Popp er­mög­lich­te mit der ei­gens fürs Fes­ti­val pro­gram­mier­ten Wet­ter-Juke­box einen Aus­blick in die ak­tu­el­len Wet­ter­ver­hält­nis­se welt­weit. Der Ka­ba­ret­tist Ga­bri­el Vet­ter be­glei­te­te das Pu­bli­kum mit hu­mor­vol­len Über­le­gun­gen auf der Fahrt in der Schwe­be­bahn auf den Sän­tis. Dort führ­te Gust Bro­ger rund um den Sän­tis, vor­bei am gross­for­ma­ti­gen Werk vom Künst­ler Peter Stof­fel. Nach einem Buf­fet mit wech­sel­haf­tem An­ge­bot fand der Tag mit einem Kon­zert vom Vi­o­li­nis­ten To­bi­as Prei­sig sei­nen Ab­schluss.

Am Sonn­tag­mor­gen traf sich das Kul­tur­lands­ge­mein­de-Pu­bli­kum wie­der­um auf dem Sän­tis. Nach einem Kom­men­tar zur ak­tu­el­len Wet­ter­si­tua­ti­on von An­dre­as Wal­ker und der Wahl des bes­ten Sän­tis-Wet­ter­bil­des aus vie­len vorab ein­ge­reich­ten Fo­to­gra­fi­en ver­las Peter Sur­ber die Send­schrift. Die Sonn­tags­re­de hielt die Ar­chi­tek­tin An­net­te Gigon. Im An­schluss ans Mit­tag­es­sen fand die zwei­te Ver­ga­be­fei­er der an der Kul­tur­lands­ge­mein­de 2015 lan­cier­ten Stif­tung Erb­pro­zent Kul­tur statt.

Erinnerungen

Es war

…im Frühling 2018 und noch bevor Greta Thunberg und die «Friday for Future» zu demonstrieren begannen.

…auch bevor wir ein erstes Semester zum Thema «STOFF-WECHSEL» in Angriff nahmen.

…ein schöner Sonntagmorgen und ein besonderer Moment, zurückzukommen, zurückzuschauen auf die festen Dinge und dabei auch einen Blick zu wagen auf die weniger vertrauten, luftigen, gasförmigen.

…einer der wichtigen Anlässe in meiner Laufbahn, auf 2’502 Metern ein Höhepunkt und es wurde zu einem Wendepunkt, nur wusste ich das dann noch nicht.

Annette Gigon, Architektin

In Erinnerung geblieben von der Kulturlandsgemeinde 2018 auf der Schwägalp ist mir insbesondere das geschäftige und unglaublich engagierte Wirken am Abend und am Morgen vor der Eröffnung, diese Unruhe vor dem Sturm, im Gegensatz zu der erhabenen, ruhig stoischen Bergkulisse. Ein Kontrast, der während dem Tag präsent geblieben ist. Ich bin mir unglaublich klein vorgekommen, mit einem kleinen Projekt, in räumlichen und zeitlichen Verhältnissen zur uralten Landschaft absolut unbedeutend. Und vielleicht liegt die Qualität der Kulturlandsgemeinde darin, sich im «Kleinen», am Rand, immer wieder aufs Neue der vermeintlichen Bedeutungslosigkeit entgegenzustellen und angesichts der überdimensionierten, globalen Herausforderungen an die Bedeutung der einzelnen Teile im grossen Ganzen zu glauben.

Katrin Keller, Kunstschaffende

Durch die Brille der Literatur betrachtet, raucht dem Säntis der Kopf.

«Etwas zog mich an, und ich verfolgte meinen Weg durch all die düstere Verhängtheit weiter. Ich fand an der unendlichen Trauer, die hier ringsum herrschte, Gefallen. Herz und Phantasie gingen mir auf in dem Nebel, in dem Grau. Es war alles so grau. Ich blieb stehen, gebannt vom Schönen in diesem Unschönen, bezaubert von den Hoffnungen inmitten dieser Hoffnungslosigkeiten. Es schien mir, als sei es mir fortan unmöglich, noch irgend etwas zu hoffen. Dann schien es mir wieder, als schlängle sich ein süsses, unsagbar reizendes Glück durch die trauervolle Landschaft, und ich glaubte Töne zu hören; aber es war alles still.» (Aus: «Die Landschaft (1)» von Robert Walser)

Feinste Texte wie diese durften wir auf dem literarischen Spaziergang auf der Schwägalp in die schöne Landschaft werfen. Wobei anzumerken ist, dass die Kraft der Literatur, dargeboten in einer solch kraftvollen Natur, sehr schnell verpuffen kann, und der Schauspieler, die Schauspielerin gar nicht so viel Kraft aufwenden können, um einen Text bis in die letzte Faser des Innenohrs einer Zuhörerschaft zu platzieren. Literatur wird so ein bisschen zur Dekoration, die eindrucksvolle Kulisse der Natur ist die Gewinnerin. Das haben wir heimlich schon gemerkt beim Performen. Aber stellen Sie sich nur mal vor, es wäre umgekehrt! Der Säntis hätte eventuell mit einer Steinlawine geantwortet! Und wir hätten im Wellnessbereich vom Hotel Säntis nicht einmal etwas bemerkt davon. Wir hätten einfach gedacht: Wie wunderbar ist es doch hier! Und das war es auch!

Sandra Utzinger, Schauspielerin und Herwig Ursin, Schauspieler und Musiker
Flipflop
Wetterfrosch
Wirbel
Wetterhahn
Schneekanone
Sprechblasen
Jauche
grösser
glücklicher
gerechter

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